Tablet-Rechner Acer W510 im Test: Tippen, streichen, umstecken

Tastatur, Touchscreen und ein normales Windows 8: Das Acer W510 kombiniert Tablet und Mini-Notebook. Steckt man den Touchscreen in das Tastatur-Dock, kann man mit OpenOffice lange Texte schreiben – bis zu 18 Stunden hält der Akku. Unser Test verrät, was das Schreib-Tablet taugt.

Ein Tablet, ein Netbook und das normale Windows 8 in einem Gerät für 499 Euro: Das Acer Iconia W510 klingt nach einem guten Angebot. Die Bauform ist von Modellen wie dem Asus Transformer bekannt. Will man einen Text schreiben oder Fotos bearbeiten, steckt man das Tablet in ein Tastatur-Dock und bastelt so in Sekunden ein Netbook.

Theoretisch ist Windows 8 das ideale System für solche Kombi-Geräte mit Touchscreen. Das neue Microsoft-Betriebssystem hat zwei Oberflächen. Der traditionelle Windows-Desktop ist gut für Tastatur und Trackpad oder Maus geeignet, die Kachel-Oberfläche ist für die reine Touchscreen-Bedienung am Tablet optimiert.

Das gefällt: Tastatur, Software, Akku

Bauform: Das Tablet liegt gut in der Hand. Es ist angenehm leicht, was wohl auch der Plastikrückseite und dem Kunststoffrahmen zu verdanken ist. 569 Gramm wiegt das Tablet allein – spürbar leichter als ein aktuelles iPad (652 Gramm) oder das Google Nexus 10 (603 Gramm). Die Mechanik des Tastatur-Docks ist leichtgängig und stabil. Ohne Gefummel rastet das Tablet ein und dient sofort als Bildschirm eines Netbooks – das ist dann allerdings mit 1,26 Kilo nicht mehr so leicht wie das Tablet allein. Der Bildschirm lässt sich auch fast komplett umklappen, wenn man zum Beispiel einen Film sehen will. So sitzt man näher am Monitor, die Tastatur ragt als Stütze nach hinten weg.

Tastatur und Touchscreen: Mit der Tastatur des W510 kann man erstaunlich fehlerfrei und schnell Texte eingeben. Man vertippt sich zwar häufiger als auf einem Macbook Air 11,6, weil die Tasten von Acers Tipp-Tablet doch kleiner sind. Aber die Fehler kommen so selten vor, dass es nicht groß stört. 5000 Zeichen mit Zitaten aus einem Interview waren auf dem W510 in eineinhalb Stunden verschriftlicht – auf dem Macbook Air geht das nicht viel schneller. Wer große Hände hat, sollte vorm Kauf allerdings auf der Acer-Tastatur einmal Probe schreiben. Die Touchscreen-Bedienung ist zum Teil sehr gut integriert, Fotos und Texte lassen sich per Zwei-Finger-Geste vergrößern, Textpassagen kann man sehr leicht mit einem Finger am Bildschirm auswählen.

Software-Auswahl und Leistung: Da auf dem Acer W510 das normale Windows 8 (und nicht die ARM-Variante Windows RT läuft), kann man alle herkömmlichen Windows-Programme installieren. OpenOffice, Microsoft Office, Lightroom, Opera, Chrome – die Software läuft problemlos und flüssig auf dem Windows-Desktop. Das Tipp-Tablet ist auch schnell genug, um mit Lightroom per USB-Anschluss von einer Kamera importierte RAW-Dateien zu entwickeln und als JPG-Dateien auszugeben. Bei der Berechnung von Vorschauen und dem Export in andere Dateiformate und Bildgrößen muss man ein wenig warten, aber nicht unangenehm lang. Hier ist Windows 8 allen Tablet-Systemen überlegen: Texte in OpenOffice bearbeiten, RAW-Daten in Lightroom entwickeln und mit Plug-Ins bearbeiten – das bietet kein Konkurrenzsystem.

Akku-Laufzeit: Laut Hersteller sollen die beiden Akkus des Tipp-Tablets 18 Stunden lang halten. Wenn man den Rechner normal nutzt, dürfte der Strom nicht ganz so lange reichen. Die Akkus unseres Testgeräts hatten nach sieben Stunden Nutzung (SD-Video im Hintergrund, Textverarbeitung, Webbrowser) bei voller Bildschirmhelligkeit noch 37 Prozent Kapazität – elf Stunden hätte man also so weitermachen können. In etwa fünf Stunden waren die Akkus wieder komplett aufgeladen.

Nicht so gut: Windows-Bedienung, Gesamtgewicht

App-Auswahl: Als Tablet hat das Acer W510 einen großen Nachteil namens Windows 8. Die Auswahl an Programmen für die Tablet-Oberfläche des Systems ist dürftig. Einen funktionierenden Twitter-Client gibt es derzeit nicht, die bei Zinio abonnierten Digital-Ausgaben von Zeitschriften kann man nicht vernünftig unter Windows 8 lesen. Dabei gibt es eine Windows-Leseanwendung von Zinio, allerdings läuft diese nur unter der klassischen Desktop-Oberfläche. Und die ist per Touchscreen kaum zu bedienen. So lange Software-Entwickler kaum Programme für die Kachel-Oberfläche von Windows 8 optimieren, ist ein Kombigerät wie das W510 als Tablet nur eingeschränkt nutzbar. Microsoft selbst bietet ja nicht einmal eine für die Kachel-Oberfläche optimierte Variante seines Office-Pakets an.

Gesamtgewicht: Im Vergleich zu kompakten Notebooks ist das Acer Iconia W510 recht schwer und dafür ziemlich klein. 1268 Gramm wiegt das W510 mit eingesteckter Tastatur. Das Macbook Air ist erheblich leichter (1054 Gramm), doch die Tasten sind normal groß.

Vorteile, Nachteile, Fazit

Fazit: Das Acer Iconia W510 kombiniert Tablet und Mini-Notebook überzeugend. Die Tastatur ist gut genug für längere Texte, die Hardware schnell genug für Standard-Bildbearbeitung von RAW-Dateien. Das Problem des W510 ist Windows 8: Als Tablet ist es nicht besonders attraktiv, weil die Auswahl an Apps für die Kachel-Oberfläche des neuen Microsoft-Systems so überschaubar ist.

Selbst große Anbieter wie Twitter, Spotify und Zinio haben bislang keine echten Tablet-Apps für Windows 8 entwickelt. Die meisten dieser Lücken kann man mit Software für den Windows-Desktop oder dem Browser füllen. Allerdings sollte man sich vor dem Kauf gut überlegen, wie wichtig die Tablet-Nutzung ist. Als Schreibmaschine ist das W510 gut geeignet, auch wenn eine leichtere Variante mit etwas weniger Akku-Laufzeit wünschenswert ist.

Das sagen die anderen: Cnet lobt die enorme Akku-Laufzeit und kritisiert die Tastatur als zu schlecht bedienbar. Trusted Reviews bewertet das W510 als vergleichweise günstig für ein Tablet-Laptop mit dem normalen Windows 8.

 

 

Quelle: 

 

www.spiegel.de